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Vom Herzen gebaute Brücken

Seit Jahrhunderten haben Menschen erlebt, wie eine ohne Gegenleistung ausgestreckte Hand Gesellschaften verändern kann. Ob es darum geht, in Notunterkünften Kranke zu pflegen, Kindern auf dem Land Lesen und Schreiben beizubringen, Lebensmittelhilfen zu organisieren oder im Namen derer zu sprechen, die keine Stimme haben – Freiwillige haben den Gewissensrhythmus der Gesellschaften geprägt.

 

Diese Reise beginnt oft mit einer einfachen Absicht: jemandem nützlich zu sein.

 

Doch mit der Zeit erkennt der Mensch, dass Freiwilligenarbeit nicht nur für das Wohl anderer da ist. Jede geteilte Mühe lässt auch die Person selbst innerlich wachsen. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die von Herzen geknüpften Bindungen und das Empfinden „Auch ich hinterlasse eine Spur“ öffnen im Inneren des Menschen neue Türen.

 

Wenn ich über diese stille, aber tiefe Kraft der Güte nachdenke, kommen mir die Erzählungen eines Freundes in den Sinn, die er mir kürzlich anvertraut hat. Freiwilligenarbeit lernt man manchmal nicht aus Büchern, Slogans oder großen Worten, sondern aus einer schlichten Erfahrung, die aus dem Herzen eines Menschen fließt. In seiner Geschichte sah ich, wie ein kleiner Schritt an einem völlig unerwarteten Ort eine Tür öffnen kann, wie er sich in Freundschaften und unerschütterliche Bindungen verwandelt. Deshalb ist die Geschichte, die ich nun teilen werde, eines der aufrichtigsten Beispiele dafür, wie tief, wie transformierend und wie sehr auf den Menschen bezogen Freiwilligenarbeit eigentlich ist.

 

Als ich zum ersten Mal in dieses Land kam, in dem ich fremd war, war für mich alles neu: die Sprache, die Umgebung, die Menschen, die Gewohnheiten …

Doch in einer Ecke meines Herzens verstummte eine Stimme nie, die mich immer wieder zum selben Punkt führte:

Ich sollte dieser Gesellschaft, die mir so sehr geholfen hat, auf irgendeine Weise meine Dankesschuld zurückzahlen.

Denn Treue gegenüber Menschen bedeutet, selbst die kleinsten guten Taten, die von ihnen kommen, ein Leben lang nicht zu vergessen.

Ich spürte, dass es beim Ankommen in einem neuen Land nicht nur ums Lernen geht, sondern zugleich auch ums Teilen.

 

Eines Tages lernte ich einen Schweizer Lehrer kennen. Vielleicht war das Kreuzen unserer Wege kein bloßer Zufall. Um ihn zu unterstützen, begann ich, in seiner Klasse als Assistenzlehrer zu arbeiten. Was mit kleinen Schritten begann, verwandelte sich für mich in eine große Lernreise. Mit Schülerinnen und Schülern zu kommunizieren, eine neue Kultur kennenzulernen, das Bildungssystem aus der Perspektive einer Lehrkraft zu sehen und zu erleben, wie Menschen sich gegenseitig unterstützen können …

 

All das bereicherte mich sowohl menschlich als auch kulturell.

 

Ich konnte immer klarer erkennen, dass es in dieser Gesellschaft nicht allein durch das Erlernen der Sprache möglich ist, dazuzugehören und sagen zu können „Ich bin auch da“, sondern dass dies Bedeutung gewinnt, indem man etwas von sich selbst teilt und andere Menschen berührt.

 

Mit der Zeit ging diese freiwillige Tätigkeit über professionelle Grenzen und die kollegiale Beziehung in der Schule hinaus. Wir teilten nicht mehr nur einen Schultag, sondern auch das Leben. Unsere Familien lernten sich kennen, wir tranken gemeinsam Kaffee, unternahmen Wochenendausflüge. Ich lud ihn zu den Konzerten meiner Frau ein; manchmal hörten wir zusammen Musik, und manchmal versuchten wir in langen Gesprächen, die Welt des jeweils anderen kennenzulernen. Gespräche, die mit einem einfachen „Wie geht es dir?“ begannen, verwandelten sich in eine aufrichtige Freundschaft. Zwischen uns entstand ein Band, gewoben aus Vertrauen, Respekt und Aufrichtigkeit.

 

Heute, wenn ich zurückblicke, verstehe ich viel besser, dass Freiwilligenarbeit nicht nur „Hilfe leisten“ bedeutet. Ein freiwillig getaner Schritt kann zwischen zwei Menschen eine unerschütterliche Brücke bauen; er kann unterschiedliche Kulturen, Denkweisen und Lebensstile einander näherbringen. Freiwilligenarbeit ist im Grunde ein bedeutungsvoller Schritt, der vom Herzen kommt; ein Band, das durch Zuhören, Verstehen und den Versuch entsteht, sich gegenseitig zu begreifen. Sie ermöglicht es den Menschen, einander nicht nur über Bedürfnisse, sondern über tiefere Werte wahrzunehmen.

Und vielleicht ist das Schönste daran: Auf diesem Weg, den ich einst ging, um „zu helfen“, habe ich gelernt, wie tief und transformierend das Konzept des „Zusammenseins“ ist. Die aus der Freiwilligenarbeit entstandene Freundschaft schenkte mir in diesem Land nicht nur einen Ort, sondern zugleich auch einen Sinn …

Als sie mir diese Geschichte erzählte, berührten mich die Aufrichtigkeit in ihrer Stimme und die Begeisterung, die in ihren Augen sichtbar wurde, während sie ihre Erlebnisse schilderte, sehr.

All das ließ mich erneut spüren, dass Freiwilligenarbeit nicht nur eine gute Tat ist, sondern eine Tür, die sich zum Herzen des Menschen öffnet.

In ihrer Geschichte sah ich, wie ein Fremder eine Gesellschaft und wie eine Gesellschaft einen Fremden aufrichtig berühren kann.

Deshalb gehört diese Erzählung nicht nur ihr; sie ist eigentlich eine Erinnerung an die Güte, die wir alle in uns tragen.

 

Liebe Freunde,

Jeder Moment, den wir leben, ist eigentlich eine Gelegenheit; eine Gelegenheit, Vertrauen, Güte und Schönheit hinter uns zu lassen …

Während das Leben schnell vorüberzieht, ist vielleicht die wichtigste Frage, die wir uns stellen sollten, diese:

„Was wird von mir bleiben?“

Mit dem Bewusstsein dieser Frage zu leben, ist das Wesen des Menschseins. Denn jedes unserer Worte, jedes unserer Handlungen hinterlässt eine Spur.

Manchmal ist es ein Lächeln, manchmal ein Gruß, manchmal auch eine stille Unterstützung …

Jedes davon findet ein Echo im Herzen eines anderen Menschen.

Auch wenn wir es nicht bemerken, erzeugen jede unserer Gesten, jede Mimik, jeder Schritt eine Wirkung in unserer Umgebung; sie hebt die Moral eines Menschen, erneuert die Hoffnung eines anderen, erhellt den Weg eines weiteren.

Das Leben besteht meist nicht aus großen Schritten, sondern aus der Summe kleiner, aber bedeutungsvoller Spuren. Lasst uns deshalb überall, wo wir hingehen, Vertrauen hinterlassen, Liebe hinterlassen, Schönheit hinterlassen. Denn eines Tages gehen wir alle … aber das, was wir zurücklassen, diese Spuren – genau sie sind wertvoll.

Wenn ein Mensch in ein anderes Land kommt, betritt er eigentlich nicht nur eine neue Geografie; er begibt sich auf eine stille Reise in eine ihm unbekannte Sprache, andere Gewohnheiten und völlig fremde Blicke. Zu Beginn ist alles fremd: die Geräusche, die Bürgersteige, die Straßen … sogar die Stille. Doch egal, wo auf der Welt ein Mensch sich befindet, eines braucht er immer: eine Verbindung aufzubauen.

Ehrenamtliches Engagement ist genau der menschlichste und aufrichtigste Weg, diese Verbindung herzustellen. In einem neuen Land ehrenamtlich tätig zu sein bedeutet zu sagen:

„Ich bin hier. Ich möchte mit euch lernen, teilen und gemeinsam wachsen.“

Das ist eine Sprache, die stärker ist als Worte – die Sprache des Herzens.

Wenn du ehrenamtlich tätig bist, hilfst du nicht nur anderen, sondern entdeckst zugleich dich selbst.

Eines Tages, während du mit einer Person, die du fern deiner Heimat neu kennengelernt hast, einen warmen Kaffee trinkst, flüstert eine innere Stimme leise:

„Du bist nicht mehr allein.“

Und in diesem Moment beginnt dieses Land, dir nicht nur einen Lebensraum zu bieten, sondern auch einen Sinn zu schenken.

Ehrenamtliches Engagement ist der aufrichtigste Weg, ein neues Land kennenzulernen. Du siehst die Menschen, ihre Kulturen und Werte nicht nur – du fühlst sie wirklich. Der schönste Weg, wie eine Gesellschaft dich umarmen kann, ist, dass auch du ihr aus tiefstem Herzen einen Schritt entgegengehst.

In dem Land, in das wir als Gäste gekommen sind, macht jeder Schritt, der durch ehrenamtliches Engagement getan wird, aus dem Gast einen Freund.

Güte hat keine Sprache, keine Farbe und keine Kultur. Ein Lächeln, ein Gruß, eine helfende Hand … all dies sind unsichtbare, aber die stabilsten Brücken, die von Herz zu Herz reichen.

Und eines Tages, wenn du zurückblickst, erkennst du Folgendes:

Dieses Land ist nicht mehr nur der Ort, „an den du gekommen bist“.

Es ist ein Teil von dir geworden – und du bist ein Teil von ihm …

Heute ist ehrenamtliches Engagement wertvoller denn je. In einer Zeit, in der das Leben schneller wird, Beziehungen oberflächlicher werden und Menschen sich voneinander entfernen, bedeutet ehrenamtlich tätig zu sein eigentlich:

„Ich bin immer noch hier; ich habe die Menschlichkeit nicht vergessen.“

 
 
 

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